Wednesday, March 28, 2012

HUBERT BURDA ABOUT HANDKE FROM THE GERMAN G.Q!



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GENTLEMENGentlemen: Peter Handke

Am 15. März erscheint Handkes neuer Roman "Der große Fall". Einige Notizen seines Freundes Hubert Burda
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Peter Handke, 68, "die große poetische Stimme der deutschsprachigen Literatur"
Wer in den 60er Jahren die ersten Bücher und Theaterstücke von Peter Handke las oder sah, spürte: Hier entsteht etwas ganz Neues, völlig anderes als die damals vorherrschende Literatur. Seine Texte entzogen sich den Kategorien traditionsbewusster Germanisten ebenso wie den kulturkritischen Ambitionen der Frankfurter Schule. Bei einer Aufführung der „Publikumsbeschimpfung“ überkam mich das Gefühl, dieses Stück sei wie für mich geschrieben. Hier stellte einer alles infrage: die Bühne, die Schauspieler, das Publikum, die Sprache, die Regeln der sozialen Konvention. Hier wurde das herkömmliche Theater verabschiedet. Ich empfand es wie die Dekonstruktion meiner Erziehung und aller ästhetischen Überzeugungen, die ich mir in meinem Studium der Kunstgeschichte angeeignet hatte.
Zu früh dran
Kennengelernt habe ich Peter Handke bei der Bambi-Verleihung 1968. Damals war die neue Kategorie für den „künstlerisch wertvollen Film“ geschaffen worden, und ich hatte ihn überreden können, an der Jury teilzunehmen, wo er nun neben Liz Taylor und Richard Burton saß. Der Preis ging an Jean-Luc Godard, der nicht erschienen war. Wir waren zu früh dran.

Freundschaft und Poesie
Die Freundschaft mit Handke begann 1974, als der Petrarca-Preis gegründet wurde. Ein Lyrikpreis im Namen des humanistischen Autors war für mich nur mit Handke vorstellbar. In vielen Jurysitzungen konnte ich miterleben, mit welcher Genauigkeit er auf Texte einging, Berühmtes verwarf, anderes empfahl: die Gedichte von Jan Skácel, Philippe Jaccottet, Zbigniew Herbert, Ilse Aichinger. Mir begegnete der großartige Vermittler von anderen Dichtern. Wie er die Aufmerksamkeit auf Autoren wie René Char, Hermann Lenz oder Walker Percy lenkte, verriet tiefes Poesieverständnis.
Ein lebensveränderndes Buch
Sein Buch „Langsame Heimkehr“ übte auf mich eine starke Wirkung aus. Die Verlangsamung der Zeit - dieses Thema ließ mich nicht mehr los. Es war wie die Einübung in eine andere Lebensweise. Ich entdeckte den Kontrapunkt zur stets beschleunigten Zeit der Medienwelt. Das Buch veränderte mein Leben. Ähnliches widerfuhr mir bei der Lektüre aller seiner weiteren Werke: Jedes Mal ist es, als ob ich auf eine Reise gehe und verwandelt durch die dunklen und hellen Bilder seiner Poesie wieder zu Hause ankomme. Handke erschafft eine andere Wirklichkeit, er verwandelt sie in Kunst - ein Gegengewicht zur Hektik meines Alltags. Darum danke ich ihm für seine Bücher, für die gemeinsamen Gespräche und Wanderungen. Ohne unsere Freundschaft sähe mein Leben anders aus. Peter Handke ist die große poetische Stimme der deutschsprachigen Literatur. Ihn unter uns zu haben bleibt ein Ereignis, das wir gar nicht hoch genug schätzen können.


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